Schreibwaren Vasen - Start


Das Geschäft "Schreibwaren Vasen"
existiert leider nicht mehr !

  Der Inhaber, Franz Josef Vasen,
verstarb am 10.11. 2012.
im Alter von 70 Jahren
an einem Glioblastom.

Jo Vasen war 40 Jahre lang täglich für seine Kunden
und Freunde da und wird uns
immer in guter Erinnerung beleiben.


 

 

Poka Jo Vasel

Hiermit bedanke ich mich ganz herzlich für die Glückwünsche und Aufmerksamkeiten
die mir von meinen Geschäftspartnern und Kunden
zu meinem 40-jährigen Gerschäftsjubiläum entgegenbegbracht wurden.
Vielen Dank der Bäckerei Efferoth, dem Pressegrossvertrieb Richter
und meinem Tabakwarenlieferanten.

Ich habe mich riesig über diese Wertschätzung gefreut.

 

Und am Dienstag, den 10. April 2012 schrieb der Reporter JAN STING vom
Kölner Stadt-Anzeiger im Leverkusener Journal einen längeren Bericht unter dem Titel:

  Ein Platz für den Exoten

  Der Schlebuscher Schreibwarenladen von Franz-Josef Vasen ist ein bisschen anders.

Der Volksbrockhaus aus dem Jahr 1974 soll laut Preisschild 28 Mark kosten.
„Nee, wer den haben will, kriegt ihn billiger - für Euros", sagt Franz-Josef Vasen.

Schließlich gebe es inzwischen ja schon bestimmt an die tausend neue Worte,
schätzt der 70-jährige Geschäftsmann. Vasen ist das aber offenbar nicht so wichtig.
Bei ihm im Ladenlokal an der Mülheimer Straße 76 b Schlebusch steht die Zeit ein bisschen still.

Neue Marketingkonzepte sucht, man zwischen
Zigaretten, Zeitschriften, Brötchen und Schreibwaren vergeblich.

Womöglich gerade deswegen ist es so gemütlich.

Kunden, die hier hineinkommen, sind gleichzeitig alte Bekannte.
Helga Breidenbach schaut vorbei, die früher das benachbarte Blumengeschäft hatte.  
Und schnell ist man in den alten Zeiten, über die der Zuhörer nur staunen kann.

Breidenbach war frisch verheiratet, las beim Frühstück die Zeitschrift „Wochenende",
wo die Bavaria-Filmstudios eine verlockende Verlosung anboten.
Man musste eine Wunsch äußern.
Breidenbach schrieb, dass sie gerne mit Vico Torriani auf einer Alm wäre.
Das erfüllte sich. Gut, alternativ zur Alm ging es in die Bavaria-Studios.
Aber Vico Torriani brachte die Zauberwelt der Berge auch mühelos im Schlager rüber
und Breidenbach war selig, Schlebusch hatte seinen Dorfklatsch.

 Zurück ins Geschäft und die Gegenwart.

„Wie haben sie geschlafen?", fragt Vasen.
Und Mira Nolde aus der Nachbarschaft antwortet ganz offen: „Nicht so gut."

Das Gedächtnis an den Tod des Gatten jährt sich zum vierten Mal, Nolde hatte gerade noch einen Termin
und jetzt gibt es keine frischen Brötchen mehr. Das ist wohl alles ein bisschen viel auf einmal.
Dafür bekommt sie von Vasen ein Stück der Marzipantorte geschenkt,
die noch vom 40. Betriebsjubiläum des seltenen Schreibwarenladens übrig geblieben ist. 

Neben den Blumentöpfen mit weißen und himmelblauen Mausöhrchen
steht der Tortenkarton auf dem Verkaufstresen.
Vasens Hauslieferant, das ist der Wiesdorfer Bäcker Christoph Efferoth,
überreichte ihn höchstselbst und betonte,
dass es solche Exoten wie Vasen nur noch selten gebe.
Das mit dem „Exoten" macht den Senior offenbar stolz. Denn er erwähnt es häufiger.
Wichtig seien die Exoten, das solle mal keiner unterschätzen.
Denn wenn es einmalnur noch Discountmärkte gäbe, würden die Kunden schon merken,
was ihnen alles fehle.

 Dass aber die Kleinen, also die Exoten, überhaupt überleben,
liegt nicht selten an der Begeisterung für den Beruf.
Schon vor fünf Jahren hätte sich Vasen in sein Häuschen in Opladen zurückziehenkönnen.
Da hatte er die Rente nämlich durch. Den Garten könnte er genießen.
Das kann er so aber auch.
Ein Luxus, den er sich neuerdings leistet, ist, dass er nur noch halbtags öffnet.
Allerdings geht es bereits um sechs Uhr in der Früh los mit frischen Brötchen.

1900 Stück gingen in Spitzenzeiten der 70-er und 80-er Jahre
an einem Wochenende über den Ladentisch.
Heute bewegt sich die Verkaufszahl jeden Tag im zweistelligen Bereich.

Und um 12.30 Uhr ist Feierabend.

Vasen lernte in einem Opladener Verlag den Beruf des Druckers:
„Das war schwere Arbeit. Wir hatten beim Schriftsetzen viel mit Blei zu tun."
Vasen stand am „Heidelberger Zylinder".
Aus der lauten Druckmaschine ratterten Zeitschriften wie die „Schick" oder die Friseurzeitung.
Offenbar hat er beide Titel eingehend studiert.
Als er in einem Zeitungsinserat auf den Laden stieß, der zum kleinen Einkaufszentrum der Wohnsiedlung der Sander-Stiftung
in Schlebusch gehörte, wagte Vasen den Schritt in die Selbstständigkeit und hat das bis heute nicht bereut.

Trotzdem ereilt ihn das Schicksal vieler kleiner Läden.
Schulhefte oder Silvesterraketen gibt es auch im Discounter:
„Früher haben die Kinder noch gebastelt, aber wer klebt heute noch Flugzeuge zusammen?",
fragt Vasen und ist überzeugt, dass viele junge Leute „wachgerüttelt  werden müssten."

Seine Bescheidenheit hat sich bewährt.
„Manche denken ja, wenn man arbeitet, muss man gleich ein Vermögen haben."

Vasen hält es lieber mit der Lebensdevise seines Vaters, der Feuerwehrmann in Opladen war
und im Musikzug mitspielte,
„Wenn du im Lotto nicht mitspielst, hast du jede Woche gewonnen."

Dass Vasen ein sensibler Beobachter seiner Umwelt ist,
macht sich auch darin bemerkbar,
dass er einem freundlicherweise den Groschen einwirft:
„Sie sparen den wöchentlichen Einsatz, wissen sie."

Zufriedenheit mache ihn glücklich, sagt der 70-Jährige,
über den sein Stammkunde Rudolf Wolff sagt:
„So ein netter Mensch hinter dem Tresen ist ja auch wichtig."

Wolff singt im Männergesangverein "Loreley Schlebusch"
und hat am 40. Betriebsjubiläum, ein Ständchen gebracht.

Als soziale Anlaufstelle versteht Vasen sein Geschäft,
in dem er auch Anzeigen für den „Leverkusener Anzeiger“ annimmt.
Mitunter bringt er auch Behinderten Brötchen ins Haus oder wechselt Glühbirnen aus.

So einige Ladenhüter stehen im Regal, etwa der „Rollmaster" neben den Kaffeefiltern.
Damit lässt sich Telefonkabel aufrollen.

Vasen hat noch ein Telefon mit Wahlscheibe,
an dem sich jeder SMS-Virtuose wohl die Finger brechen würde,
„Ich habe kein Handy,' auch nicht privat", sagt Vasen.

Auf die Nachfrage, was denn da Gelbes im Regal hinter der Registrierkasse stehe, entgegnet er: „Das ist Kinderspielzeug."
(… wird aber auch nicht mehr gekauft ...)

 JAN STING